Der Preis für Texte aus Sicht des Autors

Jeder Texter sollte bei der Preisgestaltung realistisch sein und alle Positionen berücksichtigen, die für ihn Aufwand verursachen. Andernfalls kommt schnell das böse Erwachen, wenn sich am Monatsende herausstellt, dass gar nicht soviel über geblieben ist, wie ursprünglich einmal gedacht. Die einfache Reduktion auf einen Preis pro Wort oder Zeile ist oft zu kurz gedacht. Jeder Texter muss für sich eine eigenen kalkulatorischen Stundensatz festlegen, der im mittleren zweistelligen Bereich liegen sollte.

Was gehört alles zu einem Text-Auftrag?

Jeder Textauftrag besteht aus drei Phasen:

  1. Auftragsakquise und Abstimmung
  2. Texterstellung
  3. Lektorat, Textaufbereitung, Textauslieferung, Abrechnung

Erfahrungsgemäß kann man auch zeitlich fast von einer fast identischen Aufwandsverteilung sprechen. Das Fatale ist, dass viele Texter nur die reine Texterstellung als Rechengrundlage nehmen. Die anderen Schritte sind oftmals vernachlässigte, kostenlose Zugaben, die aber am Monatsende dafür verantwortlich sind, dass weniger in der Kasse ist als erwartet.

Auftragsakquise und Abstimmung

In den seltensten Fällen stehen Auftrageber Schlange vor dem Schreibtisch des Texters. Potentielle Auftraggeber mit Aufträgen müssen oftmals selber angesprochen oder anderweitig auf das Texterangebot aufmerksam gemacht werden. Eine eigene, aktuelle Homepage ist da ebenso Pflicht wie ständige Präsenz in Texterbörsen, -portalen und -foren. Möglicherweise werden sogar Google-Adwords oder Bannerwerbungen geschaltet, um an Auftraggeber zu kommen.

Ist ein Kunde erstmal an der Angel, kann mit dem eigentlichen Texten noch lange nicht angefangen werden. Gewöhnlich werden erst einzelne Probetexte erstellt und mit dem Auftraggeber abgestimmt. Anschließend ist oft noch eine Abstimmung mit den SEO-Fachleuten des Auftraggebers notwendig, denn jeder Auftraggeber hat seine eigene Google-Verschwörungstheorie und daher oftmals ganz individuelle Vorstellungen von den SEO-Vorgaben. 

Die vom Auftraggeber gelieferten Themen und Keywordlisten müssen vom Texter geprüft und ggf. hinterfragt werden. Passen Sie zum Autorenbriefing und den SEO-Vorgaben? Widersprüchliche Anforderungen sind hier keine Seltenheit.

Es gibt auch zahlreiche Fälle, in denen der Auftraggeber Keywordrecherche oder sogar Themenrecherche auf den Texter abwälzt. Die inhaltliche Recherche zu den Einzelthemen ist hier noch gar nicht enthalten.

Texterstellung

Die eigentliche Texterstellung ist die Kernkompetenz des Texters. Hierzu gibt es nicht viel zu sagen. Den Zeitansatz dafür kann jeder Texten selbst am besten kalkulieren.

Nachbearbeitung

Sind die Texte erstellt ist die Arbeit noch nicht beendet. Nach der Erstellung sollten die Texte ins Lektorat gehen. Möglicherweise kommt hier schon eine weitere Person oder ein Dienstleister ins Spiel.

Nach dem Lektorat ist zu prüfen, ob die SEO-Vorgaben und andere Vorgaben des Briefings auch tatsächlich noch erfüllt sind. Gerade durch das Lektorat oder auch schon zuvor beim Umschreiben von Textpassagen, können bereits erfüllte Vorgaben unter die Räder kommen. Um den Auftraggeber nicht zu verärgern und Nacharbeiten zu vermeiden sollte hier eine eigene Qualitätskontrolle späteren Ärger vermeiden.

Meist werden die Texte in einem gewohnten Textverarbeitungssystem geschrieben. Viele Auftraggeber verlangen insbesondere bei größeren Aufträgen mit zahlreichen Texten die Anlieferung in einem Bestimmten Format, das sie leicht weiterverarbeiten können. Oft gibt es Vorgaben zur Formatierung von bestimmten Textpassagen (Überschriften, Aufzählungen, etc.), Datei oder Zeichensatzformaten (ISO/UTF-8). Manchmal werden neben dem reinen Text aber auch weitere Meta-Angaben gefordert, wie z. B. eine vom Auftrageber vorgegeben ID zu jedem Text oder auch eine Liste mit URLs oder Ähnliches. Die Konvertierung in das geforderte Endformat erfordert auch einen nicht zu verachtenden Zeitaufwand.

Nicht nur viele Handwerksbetriebe sonder auch viele Texter scheitern an einer eigentlich selbstverständlichen Sache: Dem Schreiben von Rechnungen. Ein zeitnaher Versand von Rechnungen und ggf. auch Mahnungen sichert den notwendigen Geldzufluss auf dem Konto. Grade Kreative scheuen sich vor Tätigkeiten, die Ihnen oft nicht liegen. Fakturierung und Buchhaltung gehören da oftmals dazu.

Der Zeitfaktor

Ein oftmals zermürbender Aspekt kann die  Zeitspanne sein, in der ein bestimmtes Projekt abgewickelt wird. Gerade  größere Unternehmen erfordern oftmals erhebliche Geduld vom Texter. Auch wenn ein Angebot unbedingt von heute auf morgen erstellt werden muss, lassen sich gerade diejenigen Auftraggeber, besonders viel Zeit bei der Entscheidung über die Auftragsvergabe, die am liebsten schon 2 Tage vor der ersten Kontaktaufnahme vorliegen hätten. Monate sind da keine Seltenheit. Oft geht das weiter bei der verspäteten Anlieferung von Keywordlisten (natürlich ohne den Abgabetermin anzupassen), gefolgt von einer langen Verzögerung  bei der Bezahlung der Rechnung.

So können vom ersten Kontakt bis zur tatsächlichen Bezahlung mehere Monate vergehen, in denen der Texter durch Arbeitsleistung in Vorleistung gehen muss. Auch dies müsste genau genommen aus betriebswirtschaftlicher Sicht  diskontiert werden.

Fazit

Das eigentliche Schreiben macht nur einen gewissen Anteil der zu erbringenden Leistung als Texter aus. Vor- und Nachbearbeitung und die ungewissheit der Bezahlung müssen zu realistischen Stundensätzen und Zeitansätzen mit einkalkuliert werden. Wer bisher von den geringen Preisen auf Texterplattformen abgeschreckt war, sollte sich einmal seinen realen Wortpreis ausrechnen. Auf vielen Texterplattformen wie z. B. content.de wird einem ein Großteil der Vor- und Nachbearbeitung abgenommen. Der auf den ersten Blick unverschämt niedrige Preis pro Wort erscheint dann bei genauerer Betrachtung möglicherweise doch ganz reell.

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